Sozialpolitik : Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft?

Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft?

EUR 11,90


Immer noch, konstatiert Meinhard Miegel in diesem lesenswerten Essay, messen wir unsere wirtschafts- und auch sozialpolitischen Hoffnungen an bloßen Wachstumsraten und Beschäftigungszahlen und übersehen dabei geflissentlich, dass wir längst inmitten eines fundamentalen Wandlungsprozesses stehen, in dem dramatische Verschiebungen im globalen Gefüge ankündigen, was nicht mehr aufzuhalten ist: eine Epochenwende. Der Jahrhunderte währende Vorsprung des Westens, das heißt der frühindustrialisierten Länder vor allem Europas und Nordamerikas schrumpft in immer schnellerem Tempo. Eine neue, bis dahin unbekannte Wettbewerbssituation ist entstanden, in der die über die Zeit müde gewordenen westlichen Gesellschaften zunehmend Mühe haben, sich zu behaupten. Ermüdungserscheinungen sind unübersehbar: Der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert, man sucht Ruhe und Zerstreuung und ist immer weniger bereit Mühen auf sich zu nehmen. Unsere Gesellschaften insgesamt sind träge geworden -- auch was die Fortpflanzung betrifft: Bestandserhaltende Geburtenraten weist mittlerweile keines der westlichen Völker mehr auf. Noch versuche die Politik, so der Autor, das alles zu übertünchen. Sie dope Wirtschaft und Gesellschaft mit immer höheren öffentlichen Schulden und versuche so, eine Dynamik vorzugaukeln, die es schon längst nicht mehr gibt. Miegels Analyse unserer gesellschaftlichen Gegenwart ist schonungslos. Und das ist auch nötig. Nur wer der Wirklichkeit ungeschminkt ins Auge sieht, wird sich von rückwärtsgewandten Handlungsrezepten nicht mehr blenden lassen und bereit sein, das die Not wendende zu tun, um einer Zukunft willen, die wir ansonsten schon verloren haben. Und das heißt für Miegel: Abschied nehmen von Wachstumsmythen und Wohlstandswahn -- bescheiden werden! -- Hasso Greb

Lobbyarbeit - Wieder etwas aus dem Hause Miegel, wer seine Zeit und sein Geld mit Pseudowissenschaft aus dem Hause des bekannten Lobbyisten verschwenden möchte dem sei diesen Buch ans Herz gelegt. Miegel der wohl der Erich von Däniken der Wirtschaftswissenschaften sein möchte analysiert hier messerscharf mit einem Haufen von Zahlen das was seine Auftraggeber hören wollen. Ein Buch das am besten im Papierkorb aufgehoben ist.

285 seiten frustrations- und angstverstärker - auch ich habe das buch in 3 tagen gelesen und meine gefühle schwankten zwischen angst, hoffnungslosigkeit und wut. als manager mit burn-out-syndrom war ich angehöriger der wachstumsgläubigen und habe sicherlich viel von dem umsetzen müssen, was der autor auf allgemeinplätzen fordert. trotzdem: die seiten sind voll von immer wieder gleichen horrorbeschreibungen. sie erzeugen schuldgefühle. manchmal war mir der standpunkt des autors nicht mehr klar. soll die wirtschaft jetzt wachsen oder nicht? und wie? sollen wir uns jetzt mehr plagen oder die erwerbsarbeit ent-idolisieren? (s252) die endlose aneinanderreihung der aspekte läßt die meinung des autors schwierig erfassen. jeder mensch der nicht weltfremd ist und über den europäischen tellerrand hinausblickt, wird kaum die analysen des autors bestreiten können. aber wo bleibt die aufmunterung, das mutmachen ? selbst auf den letzten seiten werden die themen gebetsmühlenartig wiederholt. der nikotinabhängige soll doch bitte selbst aufhören zu rauchen, ehe er erkrankt. ein dummes beispiel - weil der autor damit die gesellschaft pauschal pathologisiert und: weiß doch jeder, das abhängige nicht alleine von ihrer sucht loskommen, sondern hilfe brauchen. die hilfe des autors äußert sich aber nur in aufrufen: jeder solle individuell verzicht üben. für mich eine schwaches argument, weil zu pauschal. mit allgemeinen aussagen wie, das sich die völker des westens wie neureiche benehmen würden, rutscht der autor genau in das millieu der gesellschaft, deren fehlverhalten er anprangert. oder steckt nur blosse provokation hinter solchen bemerkungen? von einen wissentschaftler, welcher sonst überwiegend zahlen anführt, um seine thesen zu untermauern, eine schwache stelle. der autor läßt kein themengebiet aus: falsche ernährung, sozialverhalten, verkehr, politik usw. ein rundumschlag. auf den letzten seiten werden dann nocheinmal schnell die zu erledigenden pioniertaten aufgezählt.schade nur, das - wenn lösungen aufgezeigt werden könnten - es nur bei rhetorischen fragen bleibt: (beispiel mobilität, s. 280) oder müssen nicht dringlichst andere wege gegangen werden? ein zukunftsfähiges verkehrskonzept wäre eine zivilisatorische und kulturelle großtat, durch die der westen die menschheit ein gutes stück voranbringen könnte. richtig herr miegel! aber welches? da sind andere schon weiter in ihren lösungsansätzen. buchtip: frederic vester - ausfahrt zukunft. abschließend: flüssig und eingängig geschrieben - also leicht lesbar, aber der nutzwert für jemanden, der etwas in seinem umfeld ändern will ist gering, da keine mutmachenden perspektiven aufgezeigt werden.

Schonungslose Wahrheit die leider noch nicht jeden erreicht hat und nicht von allen gesehen werden möchte.. - Meinhard Miegels neues Buch habe ich in 3 Tagen gelesen. Als Inhaber einer kleinen Firmengruppe, die immer mehr den harten Globalisierungswind zu spüren bekommt, kann ich dem Autor leider nur Recht geben. Die Flucht der Arbeitswelt in Europa hin zu High Tech wird nichts nützen. Unsere Stärken, der Maschinenbau, der Fahrzeugbau, Eletronik und vieles mehr ist geprägt von Fleiss und Wollen einer ganzen Nachkriegsgeneration bis heute. Mein Vater hat ein Unternehmen gegründet. Mein Bruder und ich ( 40 beide mitte 40 Jahre)haben drei daraus gemacht und stehen vor immer schwieriger werden Bedingungen. Das ist erst der Anfang. China und Indien verfügen über weit mehr als 2 Milliarden hungriger und arbeitswilliger Menschen, die von unseren sozialgeprägten Arbeitsplätzen nichts gehört haben, auch nicht so schnell hören werden. Das wird noch eine weile so bleiben, da China leider über ein diktatorisches System ohne Gewerkschaften verfügt. Zumindest für die nächsten Jahre. Lange genug um bei uns zu wildern. Wer glaubt das nur einfach Tätigkeiten in China und Indien produziert wird, irrt gewaltig. Alleine in China gehen jährlich 40.000 Ingenieure im Fachbereich ELEKTROTECHNIK ab. Die schonungslose Analyse von Miegel macht mir keine Angst, aber man sollte sie so schnell als möglich ernst nehmen. Heute schon werden in China fast soviele Autos produziert wie in Deutschland. China steht auf Platz 4 und in 5 Jahren ist das Land alleine auf weiter Flur auf Platz 1. Und unsere Konzerne ziehen kräftig nach... in China. Den fünften Stern behalte ich mir vor, da Miegel es meiner Ansicht nach nicht schafft einen Weg für uns zu finden, besser einen eventuellen Lösungsansatz wie der Westen auch in Zukunft so da steht, daß die Leute hier hier eine gute Zukunft vor sich sehen. Wobei dieser Ansatz zugegebener maßen sehr schwer ist. Alleine von der Kultur kann man nicht leben - leider. Auch Asien wird seine Probleme bekommen und nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird... ABER... auch wenn China & Co einen Step zurückfallen... im nächsten Schritt geht es eben wieder zwei voran. Wir für uns werden hier im Land nur noch sehr ausgesucht investieren.. für Kapazitätssteigerungen geben wir kein Geld mehr aus. Die Globaliserungswelle hat für mich gerade erste begonnen. PS: die größte Schuhfabrik in China hat 160.000 Beschäftigte und das war vor ungefähr 4 Jahren... HEUTE??? weitere Lesetip: Helmut Schmidt Nachbar China.

Teilweise haarsträubende Argumente und Forderungen - zumindest gut geschrieben - Der Untergang des Abendlandes steht bevor, nicht Geringeres prophezeit der Leiter des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Meinhard Miegel, in seinem neusten Buch „Epochenwende“. Eiskalt analysiert er das nahende Ende der Überlegenheit der westlichen Kultur und Wirtschaftskraft und verweist auf die aufstrebenden Nationen Asiens. Dabei formuliert er griffig und meist sehr anschaulich und schafft es so seine Leser in den Strudel des Niedergangs mitzureißen.Die westliche, europäische Gesellschaft sei alt, satt, überheblich und im materiellen Überfluss träge geworden. Um sich dem Untergang der Zivilisation entgegenzustemmen, fordert Miegel eine radikale Neuausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik und die kreative Ausschöpfung aller vorhandener Reserven. Wohlstand dürfe künftig nicht mehr rein materiell definiert werden. Wohlstand sei auch mitmenschlicher Zusammenhalt.Die demografische Entwicklung lässt Gesellschaften altern und verschärft die strukturellen Probleme in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt. Hier müsse das alte Europa Vorbild sein und zeigen wie sich diese Schwierigkeiten lösen lassen. Auch durch die Globalisierung ist das lang andauernde Privileg scheinbar grenzenlosen Wohlstands für die westliche Gesellschaft ernsthaft bedroht. Miegel bezweifelt, dass sich der Wohlstand auf Dauer etwa mit militärischer Abschreckung verteidigen lässt.In der Analyse des Zustands beziehungsweise der zukünftigen Entwicklung, befindet sich Miegel in bester Gesellschaft. Er ist nicht der erste Mahner, der lautstark den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation heraufbeschwört. Auch die Ansicht, dass Arbeiten für sich kein Lebenszweck ist, sondern diese Auffassung dem derzeitigen Zeitgeist entspringt, mag richtig sein. Doch kann Miegels pessimistische Sicht der Lage nicht immer überzeugen und seine Lösungsansätze sind geprägt von einem Konservativismus, der selbst dem abgelaufenen 20. Jahrhundert entspringt.So etwa die Anprangerung der Erwerbstätigkeit von Frauen, welche sich nach Meinung Miegels besser dem Kinderkriegen und ihren Familien widmen müssten. Auch die Aufforderung an deutsche Arbeitnehmer Löhne auf indischem Niveau zu akzeptieren, lässt sich leicht vom gut dotieren Posten eines Institutsleiters aus verbreiten. Die Existenzängste vieler Menschen beruhigt eine solch herablassende Sichtweise aus dem Elfenbeinturm nicht.

Gut geschrieben, analytisch nicht so stark... - Das Buch erinnert mich ein bißchen an den DaVinci Code. Es ist sehr gut lesbar geschrieben, in griffigen Formulierungen usw. Es regt auch zum Nachdenken an, aber wenn man das tut, stellt man schnell Schwächen fest. Ich denke, daß sich Passagen mit vielen Quellen und Fakten abwechseln mit rein polemischem Text ohne jede Grundlage. Zum Beispiel wird behauptet, daß Epochen unterschiedliche Prägungen haben und wir im Moment in einer wirtschaftlich geprägten Epoche leben. Das halte ich für Unsinn, denn ich meine daß es eher so ist, daß wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Blüte einhergehen. Als Beleg führt der Autor an, daß die Leute heute noch lieber die Kultur des 19. und vorheriger Jahrhunderte konsumieren (klassische Musik, Malerei) und neuere Kultur vergleichweise dünnbrüstig ist. Ich halte das für sehr gewagt und behaupte, daß manche heutige populäre und meistverkaufte Musik (Beatles, Led Zeppelin...) durchaus auch noch in 100-200 Jahren gehört werden wird.




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