Sozialpolitik : Kein schöner Land: Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit

Kein schöner Land: Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit

EUR 9,50


Hand aufs Herz: Wer hat sich noch nicht dabei ertappt, die eine oder andere Floskel nachzuplappern, die uns die Propheten einer von lästigen sozialstaatlichen Fesseln befreiten Wirtschaft als die Schlüssel in eine besser Zukunft Tag für Tag vorbeten? Aber: Es ist ja auch kein Wunder, dass man sich irgendwann in das angeblich so wie so Unvermeidbare fügt, und in den Chor derer einstimmt, die angeblich, auch wenn dies vordergründig anders scheine, ja auch nur unser aller Bestes wollen. Zumal die Herren immer ungeduldiger werden angesichts des starrhalsigen Unverstands der ihnen fortdauernd entgegenschlägt. Kann man es -- so fangen wir schon selbst an, uns zu fragen -- mit dem Kündigungsschutz denn noch gründlicher übertreiben als bei uns?! Ist doch klar, dass man niemanden mehr einstellen mag, wenn man Angst haben muss, ihn dann nicht mehr loszuwerden. Und zeugt es nicht vielleicht wirklich von ökonomischer Naivität, sich über das Millionengehalt manches Vorstandschefs zu beschweren, der trotz sprudelnder Gewinne nicht nur niemanden mehr einstellt, sondern Tausende auf die Straße setzt? Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit, hat Heribert Prantl seine pointierte Streitschrift im Untertitel genannt, in der er die gängigsten der im Umlauf befindlichen sozio-ökonomischen Phrasen-Blasen, eine nach der anderen platzen lässt. Die Dinge unmissverständlich und treffend bei ihrem oft schlichten, die Sache aber treffenden Namen zu nennen, ist leider nicht jedem gegeben. Und so ragt Kein schöner Land wie eine rettende Insel aus dem weiten, öden Phrasenmeer der journalistischen Krisenliteratur unserer Tage. Lesenswert! -- Hasso Greb

Fenster auf! - Wunderbar. Da hat einer in unserem inzwischen fest verrammelten sozialen Haus die Fenster weit aufgerissen und kräftig frische Luft hinein geblasen. Prantls Buch bringt viele unserer Probleme auf den Punkt, darüber hinaus liest es sich gut. Für Studenten: gute Einführungs- und Ergänzungslektüre.

Kein schöner Land - Ein Statement - Ich muss hier von mir selbst sagen das ich wahrscheinlich in meiner Altersgruppe (20 -25) einer der wenigen jungen Leser sein werde - denn der Titel ...Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit... schreckt meine Altersklasse eher ab da es zu sehr nach grauer langweiliger Politik riecht.Meine ersten Gedanken als ich dieses Werk in die Hand bekam war Kann ja ganz interessant sein, na höffentlich ist es nicht zu Langatmig und Langweilig.Ich muss gestehen ich wurde eines besseren belehrt.Nicht ein Kapitel das mich gelangweilt hätte nicht einmal eine Minute die ich dachte Zeitverschwendung. Das Buch räumt auf mit der eigenen medienbeeinflussten Meinung. Wie sehr man sich doch von den Medien hat polarisieren und beeinflussen lassen stellt man ca. bei der Hälfte des Buches fest, und ist erschreckt wie schleichend das Gift das man Tag für Tag durch selbige eingetrichtert bekommt, doch gewirkt und die eigene Meinung getrübt hat.Ein wach auf Deutschland schreit einem das Buch entgegen. Einer der Vorrezensoren meinte das es nur eine wiedergabe politischer Debatten in den Medien sei. Mag sein, denn das Buch handelt ja gerade davon. Aber gerade die Konzentration ist es die einem die Tragweite erkennen läßt, da es nicht auseinander gezogen ist wie in den Tageszeitungen.Es schreibt dem Leser auch nicht die Lösung vor sondern gibt geziehlt Denkanstöße das die Lösung an uns ist. Meiner Meinung nach ein wirklich Lesenswertes Buch.

Prantl gibt Gas - Prantl trifft mit diesem Werk die, die viel genug haben und die nicht verstehen wollen, dass mit den jüngsten Sozialreformen eine beispiellose Ungerechtigkeit in Deutschland zementiert worden ist. Die macht es der Hartz-IV-Schicht unmöglich, ein menschenwürdiges Leben zu führen, jenseits eines Vegetierens. Prantl traut sich zu sagen, dass man mit monatlich 345 Euro nicht mehr am sozialen Leben teilhaben kann. Deutlich wird, mit welchem handwerklichem Pfusch und Dummheit bei den Hartz-IV Reformen an den Start gegangen worden ist. Prangert Prantl die Elite an, die ihre elitäre Legitimation daraus zieht, ihren Wohlstand zu verteidigen und zu mehren, betont er das oftmals Unausgesprochene unserer Gesellschaft: Wer auf Stütze angewiesen ist, ist selbst schuld. Daraus resultiert auch die Denke, dass diese Menschen sich gefälligst selbst aus dem Schlamassel zu retten hätten. Wie das mit dem oben genannten Betrag passieren soll, ist Prantl schleierhaft. Der ehemalige Staatsanwalt Prantl macht auf seine bekannt nüchterne, aber auch humorvolle Art, deutlich, woran der Staat krankt. Der Journalist Prantl denkt klar und kann sich auch in klarer Sprache ausdrücken, was die Reform-Misere für den Leser deutlich Macht. Als Jurist macht er eine gute Figur als Anwalt des kleinen Mannes. Er traut sich Dinge auszusprechen, die Politiker aller Couleur gerne verklausulieren. Niemand kann Prantl zum Beispiel verbieten, Artikel 14 Grundgesetz heranzuziehen, um zu fordern, dass Eigentum verpflichtet. Sprich, dass Vermögende stärker zur Kasse gebeten werden, und dass das billig und gerecht ist.

Angriff auf das Stammtisch-Niveau der Deutschen - Drei Stunden - es ist richtig, länger braucht man nicht, um das Buch von Heribert Prantl durchzulesen - nein: zu fressen. Und es ist so: Nicht der Leser frisst das Buch in dieser kurzen Zeit, sondern er wird vom Buch gefressen. Wer ein realistisches Bild von der Welt hat, wird begeistert sein, was uns der wohl mutigste Journalist der letzten Jahre mitteilt (kleiner Verweis auf Elf Aquitaine, neun versetzte Staatsanwälte und die Verjährung eines Verfahrens, zu dem eigentlich alle Akten zur Verfügung standen). Es ist so normal geworden, alles schlecht zu finden, was passiert - vor allem, wenn es sozial ist und zudem von der SPD kommt. Und erstaunlicherweise sind die ärgsten Kritiker unseres Staates dort angesiedelt, wo unsere Gesellschaft noch besonders sonnige Plätze bereit hält: Wer Arbeitslosengeld II erhält oder sich im Schutz des Sozialgesetzes bewegt, wird diesen Staat nicht angreifen oder kritisieren. Das ist es, was Heribert Prantl uns aufzeigt: Kein schöner Land auf dieser Welt - und die Menschen dieses schönsten Landes klagen, jammern, schimpfen - Stammtischreden, auf hohem sprachlichen Niveau, aber gesättigt, selbstzufrieden, sozial unverantwortlich, blauäugig - und: nicht gut informiert. Se tacuisses ... oder: Hätten die Kritiker doch mehr vom tatsächlichen Leben erfahren!

Wird der Sozialstaat zum Kapitalstaat - Beschützender Sozialstaat und globalisierter Kapitalismus. Sind das antagonistische Gegensätze oder zwei Seiten einer Medaille, die nur gemeinsam ein friedliches und moralisch rechtfertigbares Zusammenleben bezahlbar halten können? Oder ist der Profit, die Offenheit des Marktes, die Freiheit des Wettbewerbs, die Garantie des Eigentums an den Produktivmitteln oberstes Gebot der humanitas, des contrat social? Prantl, einer der versiertesten politischen Publizisten nimmt in diesem Buch engagiert Stellung zu den Möglichkeiten einer Politik, von Verbänden und Parteien, die sich anschicken, die Geschicke zu ordnen und den Menschen die Zukunft zu öffnen, die aber zunehmend an den Reformbedürfnissen und –erwartungen, an der Komplexität unserer Welt scheitern, weil einfache politische Parolen den notwendigen Entscheidungen einfach nicht mehr gerecht werden. Prantl stellt die Frage neu, was soziale Gerechtigkeit bedeuten kann, wie der Ausbruch aus der Exklusionsgesellschaft gelingen kann, wo schon der Mensch von Natur ungerecht mit Gaben und Gebrechen bedacht worden ist, wo von der Verteilungsgerechtigkeit über die Tauschgerechtigkeit bis zum Natur- und Sozialschicksal keine ausgleichende Gerechtigkeit möglich ist. Prantl lenkt den Blick daher auf sozialen Ausgleich, auf die Bindung von Kapital und Arbeit aneinander, nicht auf ihre Entgegensetzung, und er setzt sich ein für gleiche Chancen, nicht nur für formale, für Freiheit, die sich nicht in der Beliebigkeit selber erstickt, für inneren Frieden, der nicht die Ruhe des Kirchhofs vor Konzernpalästen ist. Für all das, was in einer sich stark wandelnden Welt die alten Leitbilder eines guten Gemeinwesens neu zu bestimmen und zu ordnen weiß. Eine höchst engagierte, sehr persönliche Stellungnahme!




Kein schöner Land: Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit